Winterfilme

Der Winter ist da – was gibt es für einen besseren Zeitpunkt, sich mit Filmen zu beschäftigen, in denen Winter, Schnee oder Eis eine Rolle spielen?

Winter's Bone (2010)
Debra Granik
USA
96′
Tief in den Ozark-Bergen in Missouri macht sich die junge Ree (Jennifer Lawrence) auf den Weg, ihren verschwundenen Vater zu finden. Viel Zeit bleibt ihr nicht. Ohne ihren Vater, der das Haus der Familie als Kaution hinterlegt hat, droht die Familie alles zu verlieren. Dass ihr Vater in kriminelle Machenschaften verwickelt war, weiss jeder. Aber keiner will ihn gesehen haben. Ree trifft bei ihren Nachforschungen auf eine Mauer des Schweigens und riskiert ihr Leben, um ihre Familie zu retten. Unbeirrbar und aufrichtig kämpft sie sich durch ein schier unüberwindliches Gestrüpp aus Lügen, Ausflüchten und Bedrohungen. Und je näher die resolute junge Frau der Spur ihres Vaters kommt, desto gefährlicher wird ihre Suche. Unterstützt von herausragenden Schauspielern gelingt der Regisseurin Debra Granik mit ihrem zweiten Film ein wunderbar dichter und spannender Thriller über eine junge Frau, die um ihr Recht und ihre Familie kämpft. Gefilmt vor Ort in der wilden, unberührten Natur Missouris, entwickelt «Winter’s Bone» mit atmosphärischen Bildern einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann.
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Uzak (2002)
Nuri Bilge Ceylan
Türkei
110′
Wie die Grossstadt einen Menschen verändern kann, inwieweit sich individuelle Werte verschieben und Beziehungen vernachlässigt werden, zeigt der türkische Regisseur Nuri Bilge Ceylan im letzten Teil seiner Trilogie. Im Gegensatz zu «The Small Town» und «Clouds of May» siedelte er «Uzak» (Distanz) in der faszinierenden türkischen Metropole Istanbul an, die selber auch ein Ort des Übergangs ist von einem Kontinent zum anderen, von einem Kulturkreis zu einem anderen. In diese Stadt zog der Fotograf Mahmut bereits vor längerer Zeit, um sich niederzulassen und hier zu arbeiten. Längst hat er sich den Gegebenheiten angepasst. Ganz im Gegensatz zu seinem arbeitslosen Verwandten vom Lande, der eines Tages bei ihm auftaucht, um auf einem Schiff anzuheuern. Mahmut erklärt sich gezwungenermassen bereit, ihn kurzzeitig aufzunehmen. Doch die Jobsuche erweist sich als schwieriger als geplant und die beiden Männer müssen länger als geplant aneinander vorbeikommen. Ein eindringlicher Film über die Veränderungen eines Menschen, seiner Werte und Beziehungen durch das Leben in der Grossstadt.
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Dersu Uzala (1975)
Akira Kurosawa
Japan
136′
Ode an die Natur Episches Kino der schönsten Art, eine Ode an die Natur und ans Leben in Verbundenheit mit ihr, gedreht von Akira Kurosawa, dem Altmeister des japanischen Films, in der Wildnis der immensen russischen Taiga, basierend auf den auch in deutscher Übersetzung erschienenen Aufzeichnungen eines Landvermessers. Im Jahre 1902 begibt sich der russische Forscher Vladimir Arsenjew auf eine Expedition in das unwegsame Ussuri-Gebiet. Er soll noch unerschlossene Gebiete der Taiga kartografisch erschliessen. Auf dem teils mühevollen Weg durch die dichten Wälder begegnet er eines Tages dem alten Nomaden Dersu Uzala, der sich dem Trupp als Führer anschliesst und die Städter durch die Natur geleitet. Mehr als einmal rettet Dersu die Gruppe vor dem sicheren Tod. Jahre später, als Uzalas Augen schwach werden, lädt Arsenjew ihn in sein grossbürgerliches Haus ein. Sehnsüchtig sitzt der Mann aus der Wildnis vor dem im Ofen gebändigten Feuer. Der Mann aus der Natur glaubt, ersticken zu müssen, und er zieht sich wieder in die Taiga zurück. Akira Kurosawa (Die 7 Samurai) hat eine traumhaft schöne Parabel über das Zusammentreffen zweier Kulturen und Lebensformen geschaffen, die einander im Grunde fremd bleiben. Die grosse Heldin seines Films ist die Natur, die in eindringlichen, fast mythischen Bildern beschworen wird. Wie Dersu Uzala war auch Akira Kurosawa ein Unangepasster, ein letzter Vertreter einer sterbenden, alten Idealen verhafteten gesellschaftlichen Gruppe. «Man hat vergessen, dass der Mensch ein Teil der Natur ist und dass man sie habgierig schändet. Deshalb versuche ich einen Menschen zu zeigen, der mit der Natur in Einklang lebt», sagte Kurosawa seinerzeit über die Intention seines grossartigen Filmes. Walter Ruggle
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Höhere Gewalt (2014)
Ruben Östlund
Schweden
120′
Eine schwedische Familie reist in die französischen Alpen, um ein paar Tage Ski zu fahren. Die Sonne scheint, die Pisten sind fantastisch, der Ausblick spektakulär. Als während einer Mittagspause bei der Berghütte eine Lawine abgeht, verwandelt sich das faszinierende Naturschauspiel innert Sekunden in eine scheinbar lebensgefährliche Situation. Während die Mutter instinktiv versucht, die Kinder zu beschützen, reagiert auch der Vater instinktiv und ergreift panikerfüllt die Flucht. Auch wenn die Lawine kurz vor dem Restaurant stoppt, wird nichts mehr sein wie vorher: Die Familie wird in ihrem Kern erschüttert, der Vater muss sein Rollenbild als Mann in Frage stellen. Brillant und bitterböse, eine Komödie oder: ein Katastrophenfilm ohne Katastrophe. Watson schreibt: «Einen Film, der die Scheidungsrate in die Höhe treibt, habe er machen wollen, sagt der schwedische Autor und Regisseur Ruben Östlund über «Turist». Diesen Anspruch dürfte Östlund erfüllt haben: Einen intelligenteren Film über die Widersprüche zeitgenössischer Geschlechter- und Familienbilder hat es in diesem Jahr noch nicht gegeben. Und einen böseren auch nicht.»
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