Fribourg Gewinner

Kosh ba Kosh (1990)
Bachtiar Chudonasarow
Tadschikistan
92′
Mira, eine junge Frau aus Russland, kommt nach Duschanbe, der Hauptstadt von Tadschikistan, um ihren Vater zu besuchen, einen Spieler, der oft verliert und schliesslich sogar Mira an einen alten Mann verspielt. Doch Daler, ein junger Mitspieler, verliebt sich in Mira und entführt sie ganz einfach in seine ziemlich schräge Welt. Daler ist nämlich Chef der örtlichen, durch und durch vergammelten Luftseilbahn. Seine verblichenen gelben Kabinen taugen für jede Fracht: Touristinnen und Touristen genauso wie für Heu, Bierkisten, Diebesgut und sogar als Liebeslaube für luftige Schäferstündchen. Für Mira arrangiert Daler ein romantisches Picknick, schwebend zwischen Himmel und Erde. Und so beginnt auch schon die Liebesgeschichte von Mira und Daler. Wenn der Film endet (nicht aber die Liebe), wird Mira eine fremde, manchmal auch exotische Welt kennengelernt haben. Sie wird einen Bürgerkrieg gesehen haben. Sie wird ihren Vater in den Tod begleitet haben und Daler auf dem Weg in ein neues Leben. Walter Ruggle
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Grand Prix Fribourg 1994
Quiereme y veras (1994)
Daniel Díaz Torres
Kuba
53′
Mag sein, dass in Kuba das Geld für einen ausgewachsenen Spielfilm 1994 gefehlt hat, aber Einstünder vom Kaliber dieses Filmes, der allein oder zusammen mit «Madagascar» von Fernando Pérez ein mehr als ausgewachsenes Programm bildet, wägen das Manko spielend auf. Da planen also drei kleine Ganoven in Havanna den Banküberfall des Jahrhunderts. Die «Bank of America», vor deren gigantischem Portal einem das kalte Schaudern kommen kann, wollen sie sich vornehmen, um ein für alle Mal saniert zu sein. Minutiös gehen sie vor, jedes Detail ist berechnet und vorgesehen, eigentlich kann gar nichts schief laufen. Dummerweise spielt sich nun aber just in der Sylvesternacht ihres tollen Coups jene kubanische Revolution ab, die das erbeutete Kapital wertlos macht und die Gruppe von tollkühnen Bankräubern rasch und auf längere Zeit hinaus ziemlich alt aussehen lässt. Daniel Díáz-Torres inszeniert das Geschehen aus heutiger Sicht mit spürbarer Lust und Freude an den komischen Momenten, die ihm die Konstellationen der Geschichte bieten der kleinen in der Bank und der grossen draussen in den Strassen Havannas, wo seit jener Sylvesternacht zum Jahr 1959 ein Bankraub sich kaum mehr bezahlt gemacht hätte. Walter Ruggle
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Grand Prix du Festival 1995
El otro (2007)
Ariel Rotter
Argentinien
80′
Für den 46-jährigen Anwalt Juan Desouza scheint alles darauf hinzudeuten, dass er wie sein Vater ein Leben in Sicherheit und Wohlstand verbringen wird. Als ihm seine Frau mitteilt, vielleicht schwanger zu sein, und zugleich sein Vater schwer erkrankt, beginnt Juan über sein Dasein nachzudenken. Eine geschäftliche Reise verleitet ihn dazu, die Identität zu wechseln und das Leben dadurch aus anderer Perspektive neu zu sehen. Das Nachdenken über das, was wir sind, ist so alt wie der Mensch. Was ist der Geist? Was ist die Seele? Was ist der Körper? Vieles ist fassbar, anderes nicht oder nur ansatzweise. Zum Glück. Denn so ist es immer wieder reizvoll, sich dem unfassbaren Teil des Daseins zu widmen, dem etwa, dem wir uns schwer entziehen können: unserem Körper. Ariel Rotter gehört zu den talentiertesten Filmemachern der äusserst dynamischen jungen Generation in Argentinien. Er hat hier eigentlich nur einen einfachen Versuch angestellt und einen Mann in den besten Jahren aus seinem eigenen Leben austreten lassen. Nicht so radikal, wie das Michelangelo Antonioni in «Professione: Reporter» machte, wo Jack Nicholson von einer Rolle in eine andere wechselte und dabei nicht ahnte, was ihn damit erwarten würde. Aber anregend, eher spielerisch. Denn Juan Desouza, grossartig verkörpert von Julio Chávez, wechselt ja nicht nur einmal seine Rolle, er versucht es gleich mehrfach. Der Auslöser ist derselbe wie bei Antonioni: Ein Toter. Gewechselt wird einfach die Identität, der Körper bleibt derselbe. Und damit gerät Ariel Rotters Film zu einer kleinen, feinen Studie über das Körperliche am Menschsein. Was tragen wir herum, und was trägt uns herum? Was macht uns eigentlich aus? Und könnten wir nicht einfach ein Anderer sein bzw. eine Andere? Ein faszinierender Film, von dem man sich tragen lassen kann in dem Sinn, als er mit seinen Körperbetrachtungen in unterschiedlichen Lebensaltern das Sinnieren über das eigene Dasein anregt. Wer sind wir? Und was ist unser Körper? Und was bleibt uns und von uns? Dieser Film ist auch eine sinnliche Erfahrung. Walter Ruggle
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Publikumspreis Filmfestival Fribourg 2007
Die Nacht - Al Leil (1990)
Mohamed Malas
Syrien
114′
Mohamed Malas wurde 1945 im syrischen Kuneitra geboren, unweit der Grenze zum heutigen Israel, von dem der wichtige Verkehrsknotenpunkt Kuneitra im Sechstagekrieg zerstört wurde. Jetzt blendet Malas zurück in die Zeit zwischen 1936 und 1967. Er schildert in Al Leil die Kindheit eines Knaben, der als Erwachsener den Spuren des Vaters nachgeht, den Zeiten der ständigen Absenz. Eines Tages war er überhaupt nicht mehr aufgetaucht, nachdem er während Jahren für die Demokratie gekämpft hatte, immer wieder mit seinen Kampfgefährten loszog und kaum Zeit fand für seine Familie, für sein Privatleben. Der Knabe wuchs mit seiner Mutter auf. Über sie erfährt der Junge auch einen Teil der Geschichte des Vaters. Seinen Film hat Malas "gewidmet jenen, die im Dunklen kämpften und in der Stille starben." Er dreht das Rad der Zeit nicht einfach rückwärts, er webt vielmehr einen orientalischen Teppich voller Ornamente, auf dem die Zeiten sich überlagern, auf dem sich ein Bild der Geschichte entfaltet, das jenseits von Daten entsteht. Es gibt so etwas wie den Konjunktiv in dieser Erzählform, die Malas wählt, das Mögliche, das das Wirkliche mitbestimmt. Da berichtet die Mutter im Off von einem Ereignis, und gleichzeitig sehen wir sie im Bild, das Erzählte erleben. "Papa, ist es noch weit bis Palästina?" lautet eine der Fragen, auf die der Knabe keine Antwort kriegen kann, je länger je weniger. Denn allmählich wird auch das Ideal der Demokratie verraten, stehen jene, die während Jahren unter Selbstaufopferung für sie kämpften, allein im Regen einer Diktatur, die sich selber feiert. "Al Leil" ist nicht nur in seiner Konstruktion der übereinanderglegten Zeit-Folien faszinierend, Malas liebt überhaupt die visuelle Erzählform, er setzt auf Fotogramme. Spiegel, Durchblicke, Schatten, dann die Füsse der Mädchen unter der Wand, die Scherben angesichts des Mannes, die Schleier, die Tücher. Bei einer Rasur wird nebenbei auch die Bedeutung der Erzähltradition deutlich, die eine Neuigkeit mitunter wie ein Lauffeuer unter die Leute bringt und handkehrum weit zurückgreift in der Geschichte, sich Zeit nimmt, die Zeit auszuloten. Der Film handelt vom Leben in der Erinnerung, vom Eingebundensein der Gegenwart in der Vergangenheit, von der Einsamkeit in der Trennung, vom Traum Palästina. Das Lauschen, das Spienzeln, das Tasten, kurz: Die Sinnlichkeit ist gross geschrieben. Bis dass Gegenwart und Vergangenheit in einem Bild sich überlagern. Walter Ruggle
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Grosser Preis Fribourg, 1993
mit Bonus
La vida es silbar & Schwerelos (1998)
Fernando Pérez
Kuba
106′
Bonus: Schwere-los - La vida es silbar am Eiger (Daniel Anker)
Fernando Pérez erzählt in seinem Spielfilm «La vida es silbar» von Havanna und von drei Menschen, die hier auf der Suche nach dem persönlichen Glück sind. Mariana, eine junge Ballett-Tänzerin, würde liebend gerne die Rolle der Giselle tanzen und begehrt genauso enthusiastisch die Körper junger Männer. Der Musiker Elpidio wurde als kleiner Junge von seiner Mutter Cuba verlassen, weil er nicht nach deren Wünschen geraten war. Jetzt lebt der Mischling von seinen Mutter-Mythen umrankt und lernt eine junge Umweltaktivistin kennen, die in Havanna per Heissluftballon gelandet ist. Julia schliesslich arbeitet als Pflegerin in einem Altersheim. Regelmässig überkommen sie Gähnanfälle, und sie schläft gar ein, als ihr besonderer Einsatz fürs Allgemeinwohl ausgezeichnet werden soll. Es gibt vieles, was Julia in ihrem Leben verdrängt. Allein beim Stichwort «Sex» fällt sie schon in Ohnmacht. Doch mit ihrem Hang zur Verdrängung, lernt Julia, ist sie nicht allein. Die drei Lebenslinien, denen «La vida es silbar» folgt, haben einen gemeinsamen Ausgangspunkt: Mariana, Elpidio und Julia begannen als verlassene Kinder im Waisenhaus. Für Fernando Pérez definiert sich ihr persönliches Glück vor allem in der Suche nach ihm - es ist die Suche nach der eigenen Identität. Seine drei Figuren müssen Entscheidungen treffen und versuchen, die Angst vor der Wahrheit, vor den Worten und den Ideen dahinter, zu überwinden, um den Neuanfang zu wagen. Ihre Lebensfäden hält die 18-jährige Bebé in der Hand, eine Art Märchenfee und Traumfigur, die vollends glücklich ist und möchte, dass es den anderen auch so ergeht. «La vida es silbar» ist, wie sein Autor Fernando Pérez selber sagt, ein Film über «die Suche nach der Glückseligkeit in Kuba am Ende dieses Jahrhunderts.» Man möchte ergänzend beifügen: Das ist ein Film über die Suche nach dem Lebensglück schlechthin. Walter Ruggle PS: Der erfolgreichste Film unserer Kollektion wurde von trigon-film frisch restauriert und digitalisiert. Schöner denn je oder, wie Fernando Pérez selber sagt: «Jetzt sieht der Film so aus, wie ich ihn mir immer vorgestellt habe.» BONUS: Als Zugabe gibt's den Bergsteiger-Dokumentarfilm mit Daniel Anker, der in den 1990er Jahren eine neue Route durch die Eiger-Nordwand gelegt hat und sie als Liebhaber des Films «La vida es silbar» nannte. Sie erfreut sich bei jenen, die gerne Klettern, als beliebt.
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Prix du public 1999
The Last Friday (2012)
Yahya Alabdallah
Jordanien
89′
Der Arzt teilt Youssef mit, dass er sich dringend einer Operation unterziehen muss. Allerdings übersteigen die Kosten dieses Eingriffes seine spärlichen Einkünfte als Taxifahrer. Also muss er sein Alleinsein überwinden und versuchen, bei anderen das nötige Geld zu finden. «The Last Friday» ist der überzeugende Erstling des jungen jordanischen Filmemachers Yahya Alabdallah. Der Film besticht durch die Einfachheit der Inszenierung, die Ruhe der Betrachtung. Der Regisseur folgt dem erschöpften und entmutigten Taxifahrer Youssef (Ali Suliman, dessen hervorragendes Spiel wesentlich zum Film beiträgt) auf Schritt und Tritt unbeirrt durch den einsamen und wortkargen Alltag. Die Einfachheit mit den seltenen Dialogen lässt Platz für eine genaue und feinfühlige Beobachtung der täglichen Verrichtungen, festgehalten in sorgfältig gesetzten Bildern. Im Grunde genommen finden wir in all diesen Gesten und sogar in Situationen, die hoffnungslos scheinen, Kleinigkeiten, die uns ein Lächeln entlocken. Denn das Leben, das echte Leben, ist nie nur schwarz. Kleine Augenblicke voller Humor, den dunklen Nächten Ammans abgerungen, geben dem Film Farbe und eine unmerklich schwebende Leichtigkeit. «The Last Friday» hat nicht umsonst in Dubai den Darstellerpreis und den Jurypreis gewonnen. Der Film blickt ganz ruhig in den arabischen Alltag.
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Prix du Jury
Madagascar (1994)
Fernando Pérez
Kuba
48′
Kuba und La Habana bilden den Hintergrund im Spielfilm von Fernando Pérez. Die kubanische Hauptstadt hat bessere Tage gesehen. Dennoch haben die Menschen die Hoffnung und das Träumen noch nicht aufgegeben. Ausgehungert vom imperialistischen Gehabe der nördlichen kapitalistischen Besserwisser bleibt ihnen vor allem ein Lebenselexier: Die Illusion. Drei Frauengenerationen stehen im Mittelpunkt: Die Grossmutter, die mit einem jungen Künstlerfreund des Hauses Monopoly spielt und von ihm das Alphabet lernt, die Mutter, die als geehrte Dozentin Physik lehrt und nachts träumt, was ihr schon der Tag bescherte. Die Tochter schliesslich, die sich immer wieder verändert und anpasst und dabei nur von einem träumt: Wegzufliegen nach Madagaskar, einem fiktiven Ort, wo sie das Wort "Consciencia" nicht mehr hören müsste. Von Bewusstsein allein, denkt sie, lebt niemand. Pérez setzt auf wiederkehrende Momente: Das ständige Zügeln, den Gang aufs Dach, die Szene in der Bibliothek. Alle sitzen sie im gleichen Boot, und gemeinsam ist ihnen, dass sie Kompass, Segel und Ruder verloren haben und noch kein Land in Sicht ist. Exzellente Fotografie kennzeichnet den Film, poesievoll immer wieder die Tableaus von Pérez, die Ausblicke aus Fenstern, der Horizont des Meeres. Offen bleibt das Ende, denn, wie sagt doch der alte, herzkranke Juvenito in einem Spielfilm von Daniel Diaz Tores: "Eines werde ich im Leben nie verlieren, das ist die Illusion!" Walter Ruggle
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Grand Prix du Festival 1995
The Other Bank (2010)
George Ovashvili
Georgien
89′
Tedo ist zwölf. Er lebt gemeinsam mit seiner jungen Mutter Keto in einer abgeschiedenen Hütte ausserhalb der georgischen Hauptstadt Tiflis. Tedo und Keto sind Flüchtlinge aus Abchasien. Der Bürgerkrieg hat ihnen alles genommen, auch Tedos und Ketos Hoffnung auf eine glückliche Zukunft in einer intakten Familie. Als sie aus Abchasien flüchteten, war Tedo erst vier. Tedos Vater mussten die beiden zurücklassen, sein Herz war zu schwach, als dass er die anstrengende Reise hätte auf sich nehmen können. Inzwischen ist Tedo Lehrling in einer Autoreparaturwerkstatt, Keto arbeitet als Verkäuferin. Die wenigen Groschen, die Tedo verdient, steckt er seiner Mutter zu, damit die es nicht länger nötig hat, zu fremden, unfreundlichen Männern freundlich zu sein. Der Junge leidet sehr darunter, dass er zum Lebensunterhalt nur wenig beitragen kann, und auch der Lebenswandel seiner Mutter bereitet ihm große Probleme. Als er entdeckt, dass sie einen Liebhaber hat, ist das zu viel für Tedo. Er fasst den Entschluss, zu seinem Vater nach Abchasien zurückzukehren. Vielleicht findet er ja dort die Lösung für all seine Probleme. Auf seiner Reise macht Tedo viele Bekanntschaften, und er muss viele Rückschläge einstecken. Nicht überall ist er willkommen. Aber als seine Reise zu Ende geht, hat er viele neue Einsichten gewonnen. Zum Beispiel, dass es nicht überall besser ist, wo man nicht ist. ********* Dieser Blick! Dieser Junge! Von allem Anfang an nimmt uns Tedo Bekhauri, der die Hauptfigur des Tedo spielt, in seinen Bann. Wir folgen dem Jungen in seinem wehrlos wirkenden Gang durch den Alltag in der georgischen Stadt, nehmen seine abwesende Mutter wahr und die Entbehrungen, die zur Normalität gehören. Man schlägt sich durch, so gut es geht. Tedo ist mit seinem Schicksal nicht allein, aber er ist allein auf sich gestellt. George Ovashvili hat diesen Jungen nach langer Suche gefunden und mit ihm die Idealbesetzung für die Rolle eines Kindes in einer Welt, in der für Kinder kein Platz übrig scheint oder jedenfalls keine Gegenwart. Tedo bricht auf, seinen Vater zu suchen, begibt sich auf eine Reise in die Finsternis der kaukasischen Konflikte, der ausgebrannten Erde. Was uns als Begleitende im Kino so packt, ist die Gelassenheit, mit der der Junge durch die Zeit und Geografie wandelt, seine Wehrlosigkeit, die mit einer engelhaften Unverletzbarkeit gepaart scheint. Das stille Wunder dieses Filmes über die schiere Ausweglosigkeit in einer geschundenen Region ist die Hoffnung, die mit dem Jungen reist, sein Glaube daran, dass er das Ziel erreicht und mit dem Vater auch das Leben wieder findet. Walter Ruggle
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Grand Prix “Le Regard D’or” 2010
Fish & Cat (2013)
Shahram Mokri
Iran
135′
Einmal mehr überrascht das iranische Kino mit einem Regisseur, der neue Wege beschreitet. Shahram Mokri hat seinen zweiten langen Film nicht nur in einer einzigen Einstellung gedreht, er trickst dabei auch noch den linearen Lauf der Zeit mit verblüffenden Erzählschlaufen aus. Sein Verfahren passt perfekt zur Geschichte zwischen Alltag und Alptraum, in der drei Köche mit dubiosem Fleischgeschmack auf eine Gruppe junger Camper treffen. Was für eine prächtige Schlaufe! Fish & Cat beginnt wie ein klassischer Thriller: mit der Ankündigung, dass der Film auf einer wahren Geschichte beruhe, mit dem Verweis auf einen Fall in den 1990er Jahren, wo ein paar Studenten spurlos verschwunden und drei Restaurantbetreiber wegen Verwendung von Menschenfleisch angeklagt worden seien. Mit dräuender Musik und einer Inschrift, die in blutroter Farbe ertrinkt. Doch mit diesem Vorspann lockt uns Shahram Mokri bereits zum ersten Mal auf eine falsche Fährte: Alles, was folgt, sehen wir jetzt vor der Drohkulisse von Mord und Kannibalismus. Tatsächlich geht es Mokri aber gar nicht um die blutige Moritat, sondern um ein Erzählexperiment. Mit zweien seiner drei dubiosen Köche und ihrer Lotterbude von Restaurant treffen wir in einem winterlichen Wald zunächst auf ein Auto voller Studenten, die sich verfahren haben. Und mit den zwei Köchen streifen wir sodann durchs Gehölz, hören die zwei über Musik schwadronieren, treffen auf einen weiteren Studenten und dessen Vater - und merken nach und nach, dass wir seit einer halben Stunde keinen einzigen Schnitt gesehen haben. Doch damit nicht genug. Mokris virtuose Handkamera folgt plötzlich nicht mehr den Köchen, sondern dem einen Studenten. Und als dieser an einem Seeufer auf junge Camper trifft, heftet sie sich unversehens immer wieder an neue Figuren und lanciert damit eine Erzählstaffette. Doch auch mit diesem Kabinettstücklein - bei anderen Virtuosen der langen Einstellung bisweilen gesehen - nicht genug. Unversehens geraten wir mit Mokris umherstreifenden Figuren an Orte in Zeit und Raum, an denen wir schon einmal waren. Vor unseren Augen mutieren die alltäglichen Geschehnisse ins Irreale, gerät die Zeit aus den Fugen und der Lauf der Erzählung zur unauflöslichen Schlaufe. Doch auch damit noch nicht genug. Mokris Figuren erzählen sich fortlaufend Anekdoten, deren Logik so unauflösbar ist wie Mokris Erzählung selbst: Das Leben als Traum mit fatalem Ausgang. Wem dies am Ende zu wenig Thriller ist, dem sei dies zum Trost verraten: Es kommt zuletzt doch noch zu einem Mord, vom Mordopfer selber geschildert. (afu)
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FIPRESCI award & Youth Jury Award 2014
Yeelen (1987)
Souleymane Cissé
Mali
106′
Ein Schlüsselfilm Afrikas in restaurierter Fassung! Der junge Nianankoro steht an der Schwelle zum Erwachsensein und soll deshalb mit dem Wissen und den Fähigkeiten vertraut gemacht werden, die es ihm ermöglichen, die ihn umgebenden Kräfte zu beherrschen. Sein Vater ist ein mächtiger Magier, der mit allen Mitteln verhindern will, dass ihm sein Sohn ebenbürtig wird. Er wäre sogar bereit, ihn zu töten. Nianankoros Mutter verhindert dies und schickt ihren Sohn auf eine Reise, auf der er jenes Wissen erwerben soll, das es ihm erlauben wird, seinem Vater selbständig gegenüberzutreten. Yeelen ist ein visionärer Film über den Weg des Erwachsenwerdens, ein Film von einer inneren Schönheit, die sich nicht einfach mit Worten beschreiben lässt, voller Tiefe, Innigkeit und sanftem Humor. Yeelen ist auch einer der wichtigsten und nachhaltigsten Filme des afrikanischen Kinos. Er hatte schon bei seiner ersten Präsentation in den 80er Jahren in Cannes Aufsehen erregt und dem schwarzafrikanischen Filmschaffen zu besserer Wahrnehmung im Norden verholfen. Yeelen begeistert noch heute beim Entdecken wie beim Wiedersehen, noch immer bestechen die Bilder Cissés, taucht man ein in die archaisch anmutende Geschichte, in der es nicht zuletzt um die Wahrnehmung geht und um das Sehen. Walter Ruggle
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Grand Prix 1988
Piravi - Geburt (1988)
Shaji N. Karun
Indien
108′
Der indische Spielfilm "Piravi" erzählt von einem Vater, der mit Frau und Tochter auf die Rückkehr seines Sohnes wartet. Ein Film, der in sich ruht, der uns wundersam den Fluss der Zeit vor Augen führt. "Du bist ungeduldig, Vater", meint die Schwester von Raghu, der seine Heimkehr angekündigt hatte und auf sich warten lässt. Und sie fährt lakonisch fort: "Ein Tag früher oder später". - "Piravi" (Geburt) vom Inder Karun Shaji ist einer jener Filme, in denen sich die Zeit in einer anderen Dimension zu entfalten scheint als derjenigen, die unseren Alltag prägt. Hetze, Hektik, Nervosität, Ungeduld und daraus resultierende Gereiztheit: Das sind Fremdwörter in jenem Flecken Welt, an dem Raghus Familie wohnt. Wenn der Vater sich zur Busstation aufmacht, um seinen Sohn zu begrüssen, so ist das allein schon eine kleine Reise, die er unternimmt. In ihrem Zentrum steht die kurze Bootsfahrt über den Fluss, ein sinnbildliches Übersetzen von einem Ufer zum anderen, eine Bewegung des Lebens. Raghu, der Sohn, kommt nicht. Er trifft am ersten Abend nicht ein, und auch nicht an den folgenden Tagen. Allmählich tauchen Gerüchte auf, er sei in der Stadt verhaftet worden, weil er sich an seiner Fakultät politisch unvorsichtig geäussert habe. Der Vater verdrängt den Gedanken daran, dass seinem Sohn etwas zugestossen sein könnte, bis er dann doch aufbricht und eine kleine Weltreise unternimmt: die Fahrt in die grosse Stadt. Das alles, der ganze Handlungsfaden, spielt in Shajis Film eine zweitrangige Rolle. Im Zentrum steht eine meditative Form, in der selbst der Monsunregen seine Schönheit zurückgewinnt. Man spürt es in jeder Einstellung, dass der junge indische Regisseur als Kameramann ausgebildet wurde und als Kameramann gearbeitet hat, denn jedes einzelne Bild ruht gewissermassen in sich selbst, trägt jene Stimmung mit, die den ganzen Film, diese liebevolle Suche nach der ungebrochenen Familienbande prägt. Aus den monochron reich wirkenden Bildern, die alles Grelle meiden, wachsen die verblüffendsten, bisweilen kontrapunktisch gesetzten Töne; ihnen schenkt Shaji eine ebensowichtige Bedeutung und sehr viel Aufmerksamkeit. Sein Film singt uns ein mehrstimmiges Lied von innerer Ruhe, stimmt eine Wassermusik an, auf der wir gleichsam dahingleiten. Und gleichzeitig thematisiert er unaufdringlich ein inneres Gefälle in einem Staat wie Indien, der von kolonialen Spuren unauslöschlich geprägt ist, in dem der Gegensatz zwischen Land und Stadt immens ist. Das politische ist immanent. Shaji führt uns dies in wenigen, dafür präzis komponierten Einstellungen vor Aug und Ohr, in einer Filmsprache, die wie ihre Handlung auf falsche Hektik verzichtet und mit sanften Impulsen sich auf dem Fluss des Lebens bewegt, eines Lebens, das im Auszug aus dem Upanishaden, einem heiligen indischen Text, im Prolog als stetig wiederkehrendes existiert, in dem der Tod Anfang bedeutet, das Wasser Leben. Walter Ruggle
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Grand Prix 1990