Religionen

Religion ist ein Thema, das immer wieder in Filmen aufscheint oder sogar zentrales Motiv ist. In unserer Auswahl finden sich Beispiele, die sich direkt mit Glauben und Religion befassen, vom Buddhismus über Hinduismus, das Christentum zur jüdischen Religion oder dem Islam. Und Spielfilme, in denen die Religion in der Handlung eine entscheidende Rolle und treibende Kraft spielt.

Meditative Reise in ein buddhistisches Kloster in den Bergen Südkoreas und einer der eindrücklichsten Filme rund um Zen.
Kunst und Religion oder was kann der Schöpfer überirdisch schöner religiöser Kunst in brutalen Zeiten, die die Schöpfung verstummen lassen.
Timbuktu (2014)
Abderrahmane Sissako
Mali
95′
Die von Mythen umwobene malische Stadt Timbuktu wird von Dschihadisten übernommen, die ihre Regeln der Bevölkerung aufzwingen wollen. Die Beduinen-Familie von Kidane lebt friedlich in ihrem Zelt, bis ein Zwist mit dem Fischer Amabou alles durcheinander bringt. Abderrahmane Sisskao schafft es auf bewegende Weise, dem grassierenden Fundamentalismus auf sanfte Art ein zutiefst menschliches Filmgedicht entgegenzuhalten. Poesie als Hoffnung Der gebürtige Mauretanier Abderrahmane Sissako ist in Bamako (Mali) aufgewachsen und hat dort zuletzt im Hof seines Vaterhauses den Spielfilm Bamako gedreht. Darin begegnet er der Ausbeutung von IWF und Weltbank in Form eines Gerichts, das mitten im Lebensalltag abgehalten wird und dadurch stärker wirkt als seitenlange Abhandlungen über die Ungerechtigkeiten dieser Welt. Ursprünglich wollte er danach einen Essayfilm über die Ausbreitung des islamischen Fundamentalismus in der Gegend der mythenumwobenen Stadt Timbuktu gestalten, doch nachdem er vor Ort die Steinigung eines ehebrecherischen Paares durch die Extremisten erlebt hatte, entschied er sich dafür, einen Spielfilm zu drehen. Und was für einen! Was kann der Künstler in Zeiten, in denen die Menschlichkeit fundamental in Frage gestellt wird durch mordende Horden und zerstörende Kulturlose? Es ist die Frage, die auch der Russe Andrei Tarkowski in dem im Mittelalter angesiedelten Spielfilm Andrei Rubljow gestellt hatte. Sissako hat den islamistischen Fundamentalismus erlebt und reagiert auf das Wüten einer Minderheit mit einem Film, der den Alltag vor Augen führt, uns gleichzeitig eine Geschichte erzählt, die zeigt, dass auch der friedlichste Alltag auch nicht einfach nur friedlich ist. Zwist ist eine menschliche Schwäche, die oft genug tragisch endet. Die Täter in seinem Film kommen von überall her und sprechen keine gemeinsame Sprache. So wenig sie einander verstehen, so wenig wissen sie, was die Regeln sollen, die sie den Menschen in Timbuktu aufzwingen. Für diese ist es nicht nachvollziehbar, warum sie nicht mehr rauchen, musizieren oder fussballspielen sollen, warum die Fischverkäuferin auf dem Markt Handschuhe tragen muss, warum die Moschee als Ort des Gebets und der Besinnung mit Waffen betreten wird. Zu den Glanzpunkten dieses federleicht wirkenden Films über die Tragödie religiösen Fundamentalismus` gehört ein Fussballspiel ohne Ball. Abderrahmane Sissako erzählt in stillen Bildern und einer Sanftheit, die das Drama, das er betrachtet, erst recht hervorheben. Keine Schwarzweiss-Malerei, dafür eine Betrachtung voller Poesie, die er der kopflosen Gewalt entgegensetzt.
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Wie wenig islamistischer Fundamentalismus und Islam miteinander zu tun haben, betrachtet Abderrahmane Sissako in diesem Filmgedicht.
Nader und Simin - Eine Trennung (2011)
Asghar Farhadi
Iran
123′
Simin möchte den Iran verlassen. Ihr Mann Nader will bleiben und seinen an Alzheimer erkrankten Vater nicht allein zurück lassen. Deshalb reicht Simin beim Familiengericht die Scheidung ein. Als ihre Klage abgewiesen wird, zieht sie in die Wohnung ihrer Eltern. Die gemeinsame Tochter Termeh bleibt vorerst beim Vater und hofft, dass die Mutter bald wieder nach Hause kommt. Zur Betreuung seines kranken Vaters engagiert Nader eine junge Frau. Razieh ist schwanger und übernimmt den Job, ohne ihren Ehemann davon in Kenntnis zu setzen. Als Nader von der Arbeit nach Hause kommt und seinen Vater allein in der Wohnung findet, kommt es zum Eklat. In der Folge werden Leben und Beziehungen aller Beteiligten stark aufgewühlt und durchgeschüttelt. Und wir betrachten das Geschehen atemlos und stellen fest: Eine Wahrheit gibt es nicht. ******* Nader und Simin oder Szenen einer Ehe 2011 An der Berlinale 2011 hat dieser Film für grosses Aufsehen gesorgt, und mit guten Gründen hat der iranische Filmemacher Asghar Farhadi aus den Händen von Jurypräsidentin Isabella Rosselini den Goldenen Bären erhalten. Darüber hinaus wurden - und das ist einzigartig in der Festivalgeschichte - die beiden Schauspielerpreise an die Schauspielerinnen und Schauspieler des gleichen Films vergeben. Ungeheuer dicht und packend erzählt Farhadi die Geschichte eines Ehepaars, das in Teheran in Trennung steht und vor grundlegenden Entscheidungen. Zum Auftakt stehen der Mann und die Frau vor dem Scheidungsrichter und legen ihre unterschiedlichen Standpunkte dar. Wir sitzen ihnen gegenüber und sind im Kino vom ersten Moment an in der Situation des Richters, der das Geschehen beobachtet und beurteilen soll. Kaum je hat man im Kino eine Trennungsgeschichte so hautnah erlebt, so authentisch erzählt, so kraftvoll und überzeugend gespielt. Selten hat es ein Regisseur geschafft, uns als Betrachtende ins Ganze mit einzubinden, die eigenen Beobachtungen immer wieder in Frage zu stellen, weil eine neue Erkenntnis uns dazu zwingt. Intensiviert wird das Geschehen durch ein zweites Paar, das bald einmal auftritt. Denn nachdem Simin die Wohnung verlassen hat und zu den Eltern gezogen ist, stellt Nader eine junge Frau ein, um den kranken Vater tagsüber zu betreuen. Der Konflikt zwischen dem Ehepaar in Trennung verschiebt sich vorübergehend auf einen Streit über die Behandlung einer Hausangestellten. Asghar Farhadi hat bereits mit seinem letzten Film «About Elly» eine überzeugende Zeit-aufnahme aus dem heutigen Iran gestaltet. Dieses Mal reicht seine Schilderung und die Betrachtung einer Situation weit über die eigene Heimat aus, die er natürlich auch wiederspiegelt. Hier öffnet sich die globale Dimension auf ein Thema, das viele Menschen weltweit umtreibt, sei es aus eigener Erfahrung oder aus dem Miterleben bei befreundeten Paaren. Was geschieht mit einer Beziehung, wenn sie nicht mehr das hält, was sich zwei Liebende einmal versprochen haben? Wie trennt man sich in Würde und so, dass alle Beteiligten damit leben können? Was heisst das für die Kinder? Mit Gespür für dramaturgische Details, mit Sinn fürs Inszenieren in engen Räumen, mit Feingefühl und Respekt für jede einzelne Figur und für die Dynamik im Geschehen erzählt Asghar Farhadi seine Geschichte, in der wir uns in mancherlei Hinsicht wieder erkennen können und in der wir vor allem während der gesamten Dauer des Filmes eines immer wieder selber erfahren: Unsere eigene Wahrnehmung bietet nur einen kleinen Ausschnitt von dem, was ist und von dem, was geschieht. Mit einer minimen Verschiebung der Perspektive, mit zusätzlichen Informationen, nehmen wir eine klar scheinende Tatsache plötzlich anders war. A Separation ist ein moderner Film über elementare gesellschaftliche Fragen und ein brillantes Werk zur Unvollkommenheit der menschlichen Wahrnehmung, genauso wie zur unterschiedlichen Prägung, die zu verschiedenem Verhalten führt und zu anderen Schlüssen aus ein und derselben Situation. Walter Ruggle
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Religion hat häufig mit Klassen zu tun, die sich über unterschiedlich gelebte Religiosität unterscheiden und abgrenzen.
Zwischen uns das Paradies (Na putu) (2010)
Jasmila Zbanic
Bosnien und Herzegowina
100′
Luna und Amar sind ein verliebtes Paar. Sie haben begehrte Jobs und geniessen das Leben im pulsierenden Alltag von Sarajevo. Sie ist als Flight Attendant viel in der Luft, und er verliert manchmal an Boden, wenn er ein Glas zu viel hebt. Als man ihn im Tower mit Schnaps im Kaffee erwischt, wird Amar suspendiert. Beim Ausflug zum Riverrafting trifft er auf einen alten Bekannten, findet durch ihn eine Anstellung in einer ultrakonservativen religiösen Gruppierung und beginnt sich zu verändern. Die lebensfrohe Luna versteht ihn immer weniger. Sie muss sich entscheiden, wie viel an eigenen Werten sie für die Liebe aufgeben will. Und sie fragt sich: Wie viel Religion erträgt der Mensch? Jasmila Žbanić (Grbavica) hat einen ebenso einfühlsamen wie hochgradig aktuellen Liebesfilm gestaltet. * * * * * * Was, wenn der Liebste entschwindet? Jasmila Žbanić hat mit ihrem ersten Spielfilm Grbavica international Aufsehen erregt und den Goldenen Bären in Berlin gewonnen. Sie erzählte darin die Geschichte einer Tochter in Sarajevo, die glaubt, das Kind eines Kriegshelden zu sein und erfahren muss, dass sie das Kind einer Vergewaltigung im Krieg ist. Was an Žbanićs Film so nachhaltig berührte und überzeugte: Die Filmemacherin schaffte es, ohne Rückblende, aus der erzählten Gegenwart heraus die Vergangenheit sichtbar zu machen, die Wunden, die diese Vergangenheit in den Menschen hinterlassen hat. Wie ist es möglich, nach einem Bruderkrieg zurückzufinden in das, was man ein normales Leben nennen mag, in einen Alltag ohne Waffen und ohne äussere Bedrohung? Wie ein ganz gewöhnliches Leben führen und - zum Beispiel - eine Liebe erfahren, wie das Luna und Amar in Žbanićs neuem Spielfilm Zwischen uns das Paradies (Na putu) tun? Die engagierte Filmemacherin gibt keine direkten Antworten auf diese Fragen, aber sie führt uns auch in der neuen Erzählung vor Augen, dass die Vergangenheit nicht etwas ist, was man im Kehrichtsack auf die Strasse runterstellen kann - und weg ist sie. Ihr Fokus liegt auf Luna, der weiblichen Figur, aber wenn sie in Luna hineinschaut und in das, was die junge, attraktive und lebensfrohe Frau erlebt hat, dann denkt sie die Geschichte von Amar mit. Die beiden lieben einander und könnten zusammen ein zufriedenes Leben verbringen. Der unerfüllte Kinderwunsch unterstreicht ihre Verbindung, und gemeinsam schaffen sie es auch, mit dem Erfahrenen von damals zu leben. Vielleicht trügt der Schein, denn als Amar seine angestammte Stelle verliert, wird er aus dem Rhythmus geworfen. Er trägt die Last der Kriegsvergangenheit mit sich, weiss nicht, ob er je Kinder zeugen kann und steht ohne Arbeit da. Der Ruf des religiösen Freundes erreicht ihn in einem Moment der Schwäche. Jasmila Žbanić konzentriert sich aber weniger auf sein Abgleiten aus der gemeinsamen Liebeswelt als vielmehr auf das Erleben von Luna, seiner Partnerin. Wie weit kann sich der Geliebte entfernen, bis die Distanz zu gross wird? Na putu ist eine Liebesgeschichte, aber der Film erzählt auch von einer Entfremdung. Walter Ruggle
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Religiöser Fundamentalismus, egal welchen Glaubens, prägt Beziehungen und stellt sie, wenn er wachsend ist, wie hier, auf die Probe.
Menschen jüdischen Glaubens können durch starkes Selbstbewusstsein auffallen, im Fall von Nora über den Tod hinaus bestimmen.
Ajami (2009)
Scandar Copti, Yaron Shani
Israel
120′
Nominiert für die Oscars als bester fremdsprachiger Film lässt uns AJAMI spannungsgeladen erkennen, dass alles, was wir wahrnehmen, auch anders sein kann, als wir es meinen. Tel Aviv, Jaffa, Ajami. Hier ist das Babel der Gegenwart, das Leben ein permanenter Ausnahmezustand. Verfeindete leben hier als Nachbarn auf engstem Raum. Omar, der sich in die junge Hadir verliebt hat, wird in einen Streit mit einer mächtigen arabischen Familien verwickelt und von ihrer Rache verfolgt. Ihm bleibt nur die Flucht, und dennoch kann er die Stadt und Hadir nicht verlassen. Seine letzte Chance ist, das von einem islamischen Richter festgesetzte – und unbezahlbare – Schuldgeld aufzutreiben. Auch Omars Freund Malek braucht dringend Geld, denn seine Mutter ist schwer krank. Um die Behandlung bezahlen zu können, arbeitet er illegal in Israel. Das Leben des jüdischen Polizisten Dandys nimmt eine tragische Wendung, als sein Bruder spurlos verschwindet. Zutiefst überzeugt, dass er Arabern in die Hände gefallen sein muss, schwört er Rache. Während er das Schicksal seines Bruders aufzuklären versucht, bietet sich Malek und Omar ein vielversprechendes Geschäft mit zwielichtigen Drogenhändlern. Doch die Ereignisse geraten ausser Kontrolle. Omar, Malek und Dando werden in einen hochspannenden Krimi verwickelt, der alles verändern wird. ****** Wahrnehmung und Wirklichkeit Klar: Viele sind des Konflikts im Nahen Osten überdrüssig und stecken Nachrichten über neue Eskalationen zwischen Palästina und Israel als alltäglich weg. Der Spielfilm Ajami gehört zu jenen Projekten, die deutlich ma-chen, dass es miteinander viel besser geht als gegeneinander: Mit Yaron Shani und Scandar Copti haben ein Israeli und ein Palästinenser sich daran gemacht, das zu beweisen und das Zusammengehen umzusetzen. Ihr packender Spielfilm, der mit einer offiziellen Oscar-Nomination gewürdigt wurde, ist auf dem Boden des Nahost-Konflikts entworfen und vor dem Hintergrund der religiös mit geprägten Span-nungen in Szene gesetzt, aber er handelt von ganz grundlegenden Fragen und führt uns eindrücklich vor Augen, wie stark eingeschränkt unsere Wahrnehmung immer ist, wie sehr wir dazu neigen, aus Elementen der Wirklichkeit Wahrheiten zu destillieren, um handkehrum festzustellen, dass es doch anders war, als wir eben noch gemeint hatten. So ist denn mit Ajami, völlig unabhängig vom lokalen Konflikt, ein bewegender Film über das Zusammenleben unter erschwerten Bedingungen entstanden, ein Film, bei dem wir uns mehrfach in derselben Situation ertappen, in der sich auch mehrere seiner Hauptfiguren wieder finden: War das eben doch nicht so, wie wir es gemeint hatten? Für uns im Kino hat das keine weiter reichenden Folgen als die, dass wir erkennen, was ein veränderter Blick-winkel (im wahrsten Sinn des Wortes) bewir-ken kann. Für die Figuren der Geschichte kann die falsche Interpretation von etwas Gesehe-nem tödliche Folgen haben. Der Film ist so raffiniert gebaut, dass er dieselbe Geschichte aus mehreren Perspektiven erzählt, ohne sie einfach zu wiederholen, vielmehr um uns mehrmals eine ganz andere Ansicht und Einsicht zu gewähren. Das enthält Sprengkraft. Walter Ruggle
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Die drei abrahamischen Religionen prägen Nahost und unsere Wahrnehmung. Wie sehr wir alle irren können, zeigt dieser Film packend.
Opera Jawa (2006)
Garin Nugroho
Indonesien
115′
Ein Seh- und Hörerlebnis der besonderen Art, ein Gesamtkunstwerk mit Sprengkraft. Der indonesische Regisseur Garin Nugroho, der für die Vielfalt seiner erzählerischen Stile und die mutige Bewältigung umstrittener Themen bekannt ist, hat mit «Opera Jawa» seinen vielleicht klarsichtigsten Film geschaffen. Er feiert darin traditionelle Formen von Gamelan-Musik, Tanz und Performances und verbindet diese mit zeitgenössischen Gesangs- und Tanzstilen sowie mit Drehorten, die moderne Installationskünstler transformiert haben. Dabei hat er eine neue Form des Musicals ins Leben gerufen, eine «Oper für das 21. Jahrhundert». Er adaptiert eine der berühmtesten Geschichten des «Ramayana», des grossen Klassikers der indischen und südostasiatischen Literatur. Es ist die Geschichte eines leidenschaftlichen Liebesdreiecks: Die schöne Siti und ihr Ehemann betreiben eine Töpferei, aber die Dinge laufen nicht so, wie sie sollten, und als ihr Mann Setio fort ist, versucht der mächtige und skrupellose Händler Ludiro sie zu verführen. Siti verfängt sich in den Stricken eines Konflikts. Mit bewundernswerten Leistungen seiner drei Hauptdarstellenden und dazu den Kompositionen des berühmtesten Gamelan-Maestros Rahayu Supanggah, hat Nugroho einen Film geschaffen, dem es auf erstaunliche Weise gelingt, freudig multikulturellen Selbstausdruck zu feiern und zugleich ein Requiem über den Schmerz zu sein. Die Religionsfrage ist auch in Indonesien brisant, einem muslimischen Staat mit starken fundamentalistischen Strömungen. Garin Nugroho ist selbst Muslim, aber in seinem alltäglichen Leben in Yogyakarta gibt es viele andere multikulturelle und religiöse Einflüsse. Die Bilder und Symbole, die in Yogyakarta verwendet werden, stammen oft aus dem Hinduismus, ist der Islam doch noch nicht allzu lange im Inselstaat zu Hause. Nugroho wehrt sich dagegen, dass die Regierung die Religion als politisches Mittel einsetzt. Nugroho feiert die visuellen und akustischen Dimensionen des Kinos. Kino, das sind Bilder, das sind Bewegungen, ist die Erzählung. Drei Dimensionen, die er mit all ihren ästhetischen Mitteln ausschöpft. Farben und Lichter charakterisieren jede der Szenen, verleihen ihnen atmosphärische Dichte und dem Geschehen bei aller Härte Zärtlichkeit und Harmonie. Die Erzählung ist von Musik beseelt. Gefühle der Figuren oder Kommentare des Chors werden durch den Gesang zum Ausdruck gebracht und zeugen von den durchlebten Prüfungen. Durch den Tanz erst kommt die Sinnlichkeit zum Ausdruck, die Gefühlswelt und das Umherirren, das Zweifeln der Helden. Die Musik ist in Form des Gamelanorchesters nicht nur hörbar: sie ist auch sichtbar und damit Teil des visuellen Konzepts. Diese aus Glockenläuten, Perkussionen und Gongs zusammengesetzten musikalischen Formen stammen aus Jawa und aus Bali und sind bewusst und nachdrücklich ins Bild gesetzt.
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Die musikalische Adaptation einer der berühmtesten Geschichten des «Ramayana», des grossen Klassikers der indischen Dichtung.
Bab'Aziz - Der Tanz des Windes (2005)
Nacer Khemir
Tunesien
100′
In der Tradition von 1001 Nacht erzählt Nacer Khemir Geschichten von Prinzen, Palästen und langen Irrfahrten. Bab'Aziz ist in der Form eines Zaubermärchens erzählt und schildert die Reise eines Derwisch und seiner Enkelin durch die Sahara. Er zeichnet damit ein verblüffendes Porträt der Wüste und seiner Legenden, wie es bislang nur selten in einem Spielfilm zu sehen war. Ishtar, ein lebensfrohes Mädchen, und Grossvater Bab'Aziz, ein blinder Derwisch, sind unterwegs zum grossen Derwisch-Treffen, das alle 30 Jahre stattfindet, dessen Ort sich aber nur jenen offenbart, die mit dem Herzen der unermesslichen Stille der Wüste zu lauschen vermögen. Auf dem Weg durch die endlose Weite begegnen sie anderen: Osman, der sich nach den schönen Mädchen verzehrt, die er am Grunde eines Brunnens gefunden hat; Zaïd, der mit seinem Gesang eine hinreissende Frau verführt und wieder verloren hat; dem Prinzen, der sein Reich aufgibt, um Derwisch zu werden. Der alte Mann gibt seiner Enkelin noch einen letzten Kuss, bevor er sie mit Zaïd in den Strudel aus wilden Farben und betörenden Klängen schickt, durch den sich das Treffen in den Ruinen der Stadt Bam von Ferne ankündigt. Für Bab'Aziz ist die Zeit gekommen, mit dem Sand zu verschmelzen und endgültig eins zu werden mit sich selber.
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